Obwohl sich der Ausbau des B2C-Geschäft (Business-to-Consumer = Unternehmen an Endverbraucher) für mich schwierig gestaltete, konnte ich überraschenderweise im B2B-Bereich (Business-to-Business = Unternehmen an Unternehmen) schon erstaunliche Erfolge erzielen. Folglich suchte ich nach einer Möglichkeit, den Händler-Bereich auszuweiten. Mir war dabei auch recht schnell klar, was für mich in Frage kam, besser gesagt, was nicht.
Für mich eher nicht geeignet
Mit angestellten Außendienstmitarbeitern oder selbstständigen Handelsvertretern zu arbeiten schied aus. Durch die zusätzlichen Kosten und Provisionen wäre es praktisch unmöglich gewesen, hier irgendwie auf meine Kosten zu kommen. So viele Schutzengel hätte ich alleine nie im Leben herstellen und verkaufen können.
An die Teilnahmen an Messen machte ich gleich einen großen Haken. Messen und ansprechende Messestände gehen richtig ins Geld, von den hohen Reisekosten einmal abgesehen. Und einen teuren Messeplatz zu buchen und dann mit ein paar Klapptischen aufzutauchen, kam für mich einfach nicht in Frage.
Erst einmal nicht
Kaltakquise! Damit ist zum Beispiel das unaufgeforderte Anrufen von Geschäftsleuten gemeint, die mutmaßlich Interesse an meinen Produkten haben könnten. Das ist in Deutschland nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zwar erlaubt, unterliegt aber strengen Vorgaben.
Aber ... es ist überhaupt nicht mein Ding, einfach den Hörer in die Hand zu nehmen und wildfremde Menschen anzurufen. Nicht, dass ich nicht kommunikativ wäre, ich telefoniere sogar ausgesprochen gerne. Aber seien wir doch mal ehrlich: Solche Anrufe können ziemlich lästig sein.
Andererseits kann sich daraus auch eine für beide Seiten erfolgreiche Geschäftsbeziehung entwickeln.
Das Thema war für mich also noch nicht abgehakt, aber erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben.
Wir kommen der Sache schon näher
Beim Recherchieren stieß ich auf Begriffe wie B2B-Plattformen, B2B-Marktplätze, B2B-Großhandelsmarktplätze oder auch Einkaufsplattformen für den Einzelhandel. Bis Anfang 2022 hatte ich noch nie davon gehört, aber wie sich herausstellte, waren sie genau das, wonach ich gesucht hatte.
B2B-Marktplätze
Auf B2B-Marktplätze wie Ankorstore, Orderchamp und Faire bieten Marken (Hersteller/Großhändler) ihre Produkte an, die dann Händler (Einzelhändler) kaufen können. Vom Prinzip her wie ein riesiger Markt mit Marktplatzbetreibern, Marktplatz, Ständen, Herstellern und Großhändlern, einem kunterbunten Warenangebot und interessierten Einzelhändlern – nur halt in digital.
Die Vorteile für die Hersteller/Großhändler liegen auf der Hand:
- Zugang zu einer großen Anzahl kaufwilliger Händler im eigenen Land, auf Wunsch europa- oder gar weltweit
- keine Sprachbarrieren, weil Texte und Produktbeschreibungen automatisch übersetzt werden
- Analyse des Kundenverhaltens, wichtig für Neueinführungen, Sortiments- und Preisanpassungen
- Zeitersparnis durch automatisierte Rechnungsstellung und Bestandsverwaltung
Zugang zu einer großen Anzahl kaufwilliger Händler im eigenen Land, auf Wunsch europa- oder gar weltweit
Aber auch den Einzelhändlern bieten sich viele Vorteile:
- Zugriff auf ein riesiges und branchenübergreifendes Sortiment an einem Ort
- direkter Zugang zu Herstellern kreativer und/oder handgefertigter Produkte aus der ganzen Welt
- geringe Mindestbestellwerte
- Echtzeit-Information zu Auftragsabwicklung und Sendungsverfolgung
Und von der zentralen Zahlungsabwicklung und optimierten Versandkosten profitieren beide Seiten.
Völlig neue Chancen tun sich auf
Ich war sehr angetan von den Möglichkeiten, die Ankorstore, Orderchamp und Faire boten. Auch die bei einer Bestellung anfallenden Provisionen für die Marktplatzbetreiber waren für mich nachvollziehbar.
Im Juli 2022 richtete ich mir bei Ankorstore und Orderchamp jeweils ein Unternehmenskonto ein und begann, mich mit den jeweiligen Anforderungen auseinanderzusetzen. Im Februar 2023 kam dann auch noch Faire dazu.
Im B2B-Bereich musste ich die Präsentation meiner Schutzengel natürlich völlig anders gestalten, als zuvor im B2C-Bereich. Statt einzelner Schutzengel stellte ich 6er-Sets zusammen, machte neue Produktfotos und befüllte nach und nach meine Großhändler-Shops auf den drei Plattformen.
Zu meiner Riesenfreude dauerte es tatsächlich auch nicht lange, bis ich erste Bestellungen erhielt.
Bis März 2024 war ich auf allen drei Plattformen gleich aktiv und habe dabei recht unterschiedliche Erfolge erzielt. Auch musste ich erkennen, dass ich als One-Woman-Show einfach nicht in der Lage war, Produkte herzustellen, Aufträge zu bearbeiten und dann noch drei Plattformen gleichzeitig zu pflegen.
Weniger ist mehr
Ende 2024 traf ich die Entscheidung, nur noch über einen Marktplatz meine handgefertigten Schutzengel und mittlerweile auch Lesezeichen, Taschenanhänger, Klick-Klack-Dosen und Maschenmarkierer anzubieten.
Jede Plattform hat ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen. Die reine Anzahl aktiver Marken, angemeldeter Händler, angebotener Lieferländer und der jährliche Umsatz sind nur Teile des großen Ganzen.
Letztlich war es eine Bauchentscheidung, nur noch mit Orderchamp weiterzumachen. Ich fühle mich einfach wohl mit Orderchamp und die hohe Wiederkaufsrate meiner rund 100 Händler in 10 europäischen Staaten gibt mir recht.
